Nicht der Liberalismus ist die Schwäche, …

Nicht der Liberalismus ist die Schwäche, …

sondern das fehlende Bewusstsein und die fehlende Eigenverantwortung
im Umgang mit ihm
(Kontroverse Gedanken zu Armins Nassehi von @WELT)

Interessiert durch die Überschrift „Unsere Freiheit ist auch unsere größte Schwäche“ habe ich mich am 1. Weihnachtsfeiertag morgens dem Artikel auf der Welt gewidmet und ich bin wütend…

Wütend zu lesen, dass die Freiheit als Pendant definierte Gegenhaltung zum Kollektiv das Übel in der Pandemie sein soll, fallen mir unzählige Gründe ein, warum dies nicht der Wahrheit entspricht.

Aus dem Alltag – Ursachensuche
Mir kommen Szenen in den Sinn, in denen meine Studenten in Vorlesungen so auf das Bulimielernen fokussiert sind, dass die eigenständige Meinungsbildung mit einer vorausgegangenen Argumentationsschlacht völlig auf der Strecke geblieben ist.
Es ist der Nährboden dafür, das Informationen, die ungeprüft im Inneren scheinbar Unbehagen oder andere Emotionen aufgrund von fehlender Faktenbasis auslösen, nicht mehr im Austausch analysiert und reflektiert werden. Das eigene Überlegungen über ihren Wert und ihre Aussage nicht mehr vorgenommen werden.
Es ist die Eigenverantwortung, die in uns in den letzten Jahren – oder muss man von Jahrzehnten sprechen – abhanden gekommen ist, die uns dazu befähigt, Freiheit nicht als etwas zu sehen, indem man tun und lassen kann, was man will, sondern das aus freien Stücken abzulehnen, was man eben nicht will.

Ein Prozess geht voraus …
Doch dem geht ein Entscheidungsprozess voraus. Ich muss als eigenverantwortliche Persönlichkeit in der Lage sein, Informationen zu hinterfragen, für und wider gegeneinander abzuwägen und mir dann eine Meinung bilden. Ich muss in der Lage sein, meine Argumente in Zusammenhang und als Position gegen eine andere Haltung verteidigen zu können.
Doch dies wird in unserer Gesellschaft immer weniger gelehrt. Es gibt immer weniger Kontroverse in unserer Gesellschaft, die wir im Miteinander lösen.
Wir setzen unseren Kindern keine Grenzen mehr, die wir ihnen gegenüber vertreten und für die wir werben. Wir belohnen Leistung nicht mehr und dadurch fehlt der Ansporn, Leistung erbringen zu wollen und sich mit dem Weg dahin aktiv auseinander zu setzen. Und wir takten unser Leben nach Themen und Inhalten statt nach Zuständen, Ergebnisebenen und Teilhabeindexe.
Musikunterricht ist nicht die Betätigung von Tasten eines Klaviers, sondern das Zusammenspiel verschiedener Musizierender zu einem Gesamtwerk.
Sportunterricht ist nicht das Werfen eines Balles, sondern die Fähigkeit im richtigen Moment an den richtigen Mitspieler abzuspielen, um sich als Team in eine Poleposition zu bringen.
Das gemeinsame Spielen auf dem Pausenhof ist nicht die Überbrückung von einer Stunde zur nächsten mit einer Essens- oder Getränkeaufnahme, sondern die Behauptung, die soziale Zugehörigkeit und der Austausch unter Gleichaltrigen.

… und führt zu Haltung, Entscheidung und Selbstvertrauen.
Wann immer ein junger Mensch diese Situationen durchläuft lernt er für sich die Entscheidung bewusst oder unbewusst, wo möchte ich stehen, mit welcher Haltung erreiche ich mein Ziel und was ist bedeutsam für mich. Entsprechend tut man oder lässt man Aussagen oder Handlungen, da man dem eigenen, inneren Kompass folgt. Es geht nicht um den leichtesten, sondern um den eigenen Weg.

Besinnen wir uns auf den Kern der wahren Freiheit…
Liberalismus ist die verwurzelte Weltanschauung, dem Individuum die freie Entfaltung und Autonomie zu ermöglichen und dabei nur ein Minimum an staatlichen und vorgeschriebenen Eingriffen zu benötigen. Doch freie Entfaltung benötigt die eigene Auseinandersetzung mit Haltung, Werten und Vorstellungen. Wenn dies in unserer Gesellschaft nicht mehr gelehrt und gelebt wird, ist nicht der Liberalismus der Nachteil oder das Defizit in der heutigen Pandemie, sondern die Erkenntnis, dass wir in unserer Gesellschaft nicht mehr die Verantwortung lehren, die den Einsatz von Freiheit verlangt und voraussetzt.

Frei nach dem Motto:
“Freiheit bedeutet nicht, tun und lassen zu können, was man möchte, sondern dass man Dinge bewusst ablehnt, die man nicht möchte!”

25.12.2020 Gedanken von #gepfeffert – Liberale Freiheitskämpferin

DIE NEUE WISSENSGESELLSCHAFT – Wie wir gerade unsere Zukunft verschlafen!

DIE NEUE WISSENSGESELLSCHAFT – Wie wir gerade unsere Zukunft verschlafen!

Aus der neuen Kolumne: „Gedanken für eine lebenswerte Gesellschaft“
Im News Verlag Miltenberg geschrieben von Nicole M. Pfeffer #gepfeffert.

Wo kommen wir her?
In der ökonomischen Betrachtung der Vormoderne findet die Agrargesellschaft ihren Anfang. Sie beschreibt den systematischen Anbau von Pflanzen. Übergehend zum Industriezeitalter findet die systematische Produktion einhergehend mit der Arbeitsteilung eine weitere Epoche unserer Gesellschaftsform. Doch was wäre eine Gesellschaft ohne kontinuierliche Weiterentwicklung und so sind wir mittendrin, in der neuen Gesellschaftsform der Informations- oder Wissensgesellschaft.

Der Status Quo und seine Gefahren
Vom Beginn des Dilemmas. Die vergangenen Entwicklungen haben uns gelernt, effektiver und arbeitsteiliger zu denken und zu handeln. Wir haben gelernt, uns im Lernen zu komprimieren und sind, so die allgemeine Wahrnehmung, zu Bulimie-Lernenden mutiert. Wir haben uns spezialisiert und uns bestimmten Themenfeldern angenommen und dabei bewusst andere Felder beiseite geschoben. Und genau das fällt uns jetzt auf die Füße. So versuchen wir verzweifelt, den Anschluss an die neuen Inhaltsformen zu finden, dabei übersehen wir, dass durch die Digitalisierung alles in die Erneuerung geht. Wir denken, wenn wir alle mit Tablets arbeiten, einen guten Internetanschluss haben und jeder ein Smartphone bedienen kann, das damit alle Missstände beseitigt sind. Doch da irren wir.

Das Besondere an der Wissensgesellschaft
Es ist absolut korrekt, dass die Digitalisierung neue Anwendungen und Möglichkeiten schafft. Doch es ist auch korrekt, dass durch die neue Form der Verknüpfung von Informationen eine neue Denkweise erforderlich ist. Wir denken nicht mehr sequentiell, sondern multidimensional. Und das nicht nur auf der Inhaltsebene wie bisher, sondern auch auf der sozial-ökonomischen wie ökologischen Ebenen und dann kommt noch die emphatische dazu. Und damit stecken wir mittendrin – im Dilemma der neuen Welt. Das, was wir noch vor Jahren weggestrichen und ausgeblendet haben, ist heute und morgen relevant und bedeutsam.

Anforderungen an den Nachwuchs – und kaum einer geht den mutigen Weg, der nötig ist
So diskutieren wir über nicht abgerufene Digitalpaketsummen, jammern darüber, dass die Schulen dem pädagogischen Anspruch nicht mehr gerecht werden und dass wir einseitig nur noch Studierende hervorbringen. Dabei gibt die Lehrerschaft gerade ihr bestens. Die Bürokratiemonster rauben Zeit und die Schulämter verwalten statt zu gestalten, denn da müsste die Veränderung beginnen. Wir müssen unseren Nachwuchs zu verknüpfend denkenden Menschen entwickeln, die Informationen in Relation setzen und ihnen einen Wert geben. Denn Informationen als solches sind wertlos. Das Entdecker-Gen muss an Attraktivität gewinnen und darf nicht mehr nur mit Tüftlern und Gründern in Verbindung stehen. Wir müssen unseren Nachwuchs lehren, den Gestaltungswillen zu entdecken. Gestaltungswillen dahingehend, sich mit Zusammenhängen und Möglichkeiten auseinander zu setzen, zu entscheiden, was dient dem Ziel, welchen Impact kann ich erzielen und wie komme ich zielgerichtet dorthin. Wie wird die Digitalisierung dafür eingesetzt und wie erhalten Informationen einen Wert.

Wie wir gerade unsere Zukunft verschlafen!
Doch was machen wir? Wir überfrachten das Lehrpersonal mit Administration und Dokumentation. Wir bleiben im Kreidezeitalter und denken, wir müssten Themenfelder fördern. Wir bewerten und spielen einzelne Branche gegeneinander aus.
Dabei müssten wir die Digitalisierung als übergreifend Chance verstehen. Wir müssten unseren Nachwuchs den Wert von Entscheidungen und Verantwortung lehren. Wir müssten Begegnungen schaffen, die die Neugier und den Ehrgeiz weckt, sodass jeder seine Interessen und Stärken in den Fokus stellt. Wir müssten Wissen emotionalisieren, denn dadurch geht es nachhaltig in die Köpfe jedes einzelnen.

Doch was machen wir? Wir verschleppen die digitale Anwendung und Einsatz in unseren Schulen. Wir setzen alles auf die Karte IT und KI, statt unseren Schülern die vielfältige Nutzung einer modernen Informationsgesellschaft zu lehren. Sie darin zu befähigen, die richtigen Fragen zu stellen, um sie dann dem Impact entsprechend anzuwenden. Es gilt die Vielfalt der Gesellschaft ökonomisch, ökologisch, sozial, emphatisch und ethisch zu erfassen und darauf das eigene Handeln im Einklang auszurichten. Dann hätten wir es geschafft, doch stattdessen verschlafen wir unsere Gesellschaft.

Wenn der Neidfaktor die Selbsthilfe verhindert –

Wenn der Neidfaktor die Selbsthilfe verhindert –

Was wir von der DFL lernen können!

Das erste Bundesliga-Wochenende ist voll im Gange. Die ganze Welt schaut auf unsere Fußballspiele und Trainer müssen plötzlich internationalen Medienanstalten Interviews geben. Was ist passiert?

Während des Lockdowns in Coronazeiten musste auch die Bundesliga ihren Spielbetrieb einstellen. Gut organisiert und durch einen Verband sehr mitgliedernah geführt, hat man sich den Anordnungen gefügt. Doch der Verband hatte den Vorteil, nur einen Bereich durchdenken zu müssen. Nicht wie die Regierung, die sämtliche Branchen, Eventualitäten und Gesellschaftsschichten und nach Möglichkeit in allem auch gleich Experte sein musste.
Zu Beginn lief es auch ganz gut, doch irgendwo mittendrin ging nicht nur der Draht zu den Bürgern verloren, sondern mit ihr auch die qualitativen Entscheidungen, die von allen getragen wurde.

Mit Ruhe aus der Reihe getanzt
Die DFL hingegen hat nur ihren Spielbetrieb und Clubs im Fokus. Eine Zeitlang schien es, dass die DFL nur zuschauen würde, unbeeindruckt weiterer Maßnahmen, die sich anbahnte und auch eingeführt wurden. Doch falsch gedacht. Mit jedem weiteren Tag konzipierte die DFL ein Konzept, dass ein Spielbetrieb der 1. und 2. Liga ermöglichen sollte. Der Anreiz war ähnlich wie bei einer Gewerkschaft oder einem Unternehmerverband zu sehen: Schaden von den eigenen Mitgliedern abwenden und möglichst bestehende Verträge erfüllen. Dabei in aller Weitsicht prüfen, wie trotz allen Aktionismus die Gesundheit von Spielern und allen Clubbeteiligten gewährleistet werden konnte.
Ein schlauer Schachzug, denn die DFL tat dies sehr stringent und mit dem Anspruch ein Konzept vorzulegen, dass aufgrund der Tragfähigkeit und Einhaltung aller Vorschriften zur Freigabe durch Regierungsverantwortliche kommen sollte. Man hat die bestehenden und anbahnenden Regeln in einen Aktivitäten Plan umgesetzt und sich selbst ein Regelwerk definiert, dass nach allen Regeln der Kunst geltende Verbote, Vorschriften und Vorgaben erfüllen sollte. Es kam zur Vorlage und zur Überraschung aller auch zur Freigabe.

Das Geschrei war groß. Wie kann es sein, dass millionenschwere Clubs spielen dürfen, aber Kinder auf Spielplätzen nicht? Wieso erhalten Millionäre Sonderregelungen und der einfache Bürger nicht oder auch das kleine Fitnessstudio oder der Grieche um die Ecke?
Der Neidfaktor ging durch die Reihen der Gesellschaft und jeder der nur konnte, wurde plötzlich zum Experten des Corona-Regelwerks.

Nehmen wir uns die Zeit …
Bei genauerer Betrachtung sollten wir uns jedoch eingestehen, dass der Neidfaktor die Erfolgsfaktoren dieser Freigabe verschleiert und das wirft nicht nur Fragen auf, sondern verhindert auch weitere Erfolgsgeschichten an anderer Stelle.

Sicherlich mag es sein, dass die DFL auch deshalb so stringent an einer Wiederaufnahme gearbeitet hat, da sie sicher sein konnte, keine Unterstützung – weder finanziell noch anderweitig – seitens der Regierung erhalten zu können. Doch unabhängig der Ausgangsmotivation, hat die DFL das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe bis in aller Konsequenz angewandt und sich damit in die Pole Position – sogar international – katapultiert.

Erfolgsfaktoren in der Übersicht
Und bei genauerer Betrachtung sind die Erfolgsfaktoren gar nicht so geheimnisvoll:
1. Man hat zum Ziel alle Beteiligten nach bestmöglichen Vorgaben gesundheitlich zu schützen, sollte der Spielbetrieb wieder starten können.
2. Man wollte so gewährleisten, das bestehende Verträge mit bspw. Fernsehanstalten erfüllt werden können, um die Einnahmen aus diesen an die Vereine weitergeben zu können.
3. Man wollte weder Extrawurst noch Sonderrechte, sondern einfach nur die möglichst exakte Umsetzung bestehender Regeln und Richtlinien zur Erfüllung der Vorgaben und damit der Zustimmung und Freigabe des Spielbetriebs.
4. Man setzte darauf, durch ein transparentes Regelwerk und klare Auflagen allen Beteiligten Rechts- und Verhaltenssicherheit zu geben.
5. Und man hatte den Anspruch alle vorgenannten Punkte zu 120 % erfüllen zu wollen – keine Kompromisse und kein Mauschelwerk.

Diese lösungsorientierte Vorgehensweise gepaart mit Stringenz und dem Erarbeiten des Konzepts von Experten des Fußballalltags hatte zur Folge, dass die Regierung und das Corona-Team nur das Konzept mit dem eigenen Regelwerk gegenprüfen musste. Es musste sich kein Branchenfremder der Regierung mit dem Spielbetrieb des Fußballs im Detail auseinandersetzen, um alle Abläufe möglichst getreu zu eruieren und daraus ein Reglement zu definieren, dass irgendwo die Lücke übersieht oder nur für einen Teilbereich bedachte. Das Konzept ging auf – Hilfe zur Selbsthilfe. Während andere Verbände und Institutionen zunächst mit dem Lamentieren beschäftigt waren und dann nach Forderungen schrien, die Regierung müsste Antworten liefern, hat sich die DFL einfach selbst ans Werk gemacht. Sie hat sich auf ihr Know-how und ihren Anspruch der Interessenvertreter und des Expertentums einer Branche fokussiert und diesen Anspruch eingefordert. Nicht mit überhasteten Forderungen, nicht mit Entscheidungen durch Dritte und auch nicht mit Lösungen von Unerfahrenen, sondern aus der eigenen Stärke heraus, das eigene Wissen als Hilfe zur Selbsthilfe einzusetzen.

Und was machen die anderen?
Und was macht die Bevölkerung? Sie sucht nach Anschuldigungen, Vergleichen und Neidfaktoren, statt sich die Frage zu stellen, was können andere Bereiche unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft davon lernen?

An dieser Stelle seien nur zwei Beispiele genannt: Die bayerische Gastronomie kannte bis Samstagabend (16.05.) noch immer nicht im Detail unter welchen Bedingungen eine Teilöffnung am Montag (18.05.) erfolgen kann – geschweige denn von allen einzurichtenden Maßnahmen für die man entsprechende Materialien benötigt.
Oder die Fitnessbranche und hier im Besonderen die kleinen Fitness-Studios, die zwar einerseits in kleinen, begrenzten Gruppen Outdoor Training abhalten darf, aber bitte bloß nicht in geschlossenen Räumen – egal unter welchen Bedingungen und mit welcher Umsetzung.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Beispiel DFL zeigt aber auch, dass Hilfe zu Selbsthilfe nur mit einem klaren und transparenten Regelwerk möglich ist. Das die Anwendung von diesem klaren Regelwerk von Experten der jeweiligen Bereiche ausgearbeitet werden muss und nicht von Regierungsbeamten oder Parteivertretern. Und es zeigt auch, dass ein Konzept alleine noch nicht reicht, sondern dass die Umsetzung stringent verfolgt und kontrolliert werden muss, bis sich die neuen Bedingungen zum Allgemeinverständnis gemausert haben.
Es zeigt aber auch, dass Verbände und Organisationen, die ihren Mitgliedern sehr nahestehen, noch immer eine wichtige Bedeutung haben und dies keineswegs mit der teilweisen negativen Assoziation mit Lobbyismus zu tun hat.

Wenn der Neidfaktor die Selbsthilfe verhindert…
Und was bleibt für den Einzelnen zu sagen?
Hören wir auf, uns in die Opferrolle zu drängen und den Weg der Hilfe zur Selbsthilfe als etwas Schlechtes anzusehen. Werden wir mutig und fordern klare und transparente Regeln ohne Verbote ein, um dann Konzepte von den Verantwortlichen erarbeiten zu lassen, die für einen Bereich eine Allgemeingültigkeit sichern.
Denn so helfen wir uns nicht nur selbst, sondern der Gesellschaft und dem Staat als solches und ganz nebenbei erhalten wir auch wieder einen sichtbaren Platz auf internationale Ebene – denn wir sind eben das Land der Dichter und Denker.

Was wäre gewesen wenn,

Was wäre gewesen wenn,

… wir ein anderes Verständnis von Digitaler Schule und Bildungssystem gehabt hätten?

Gedanken zu unserem Bildungssystem und der Region am Bayerischen Untermain.

Mömlingen, 10.05.2020.
Es war im Sommer 2018 als ich mir erstmalig darüber Gedanken gemacht habe, wie wir unsere Region Bayerischer Untermain in dem Feld Bildung und Wissen weiterentwickeln können. Insbesondere wie wir junge Menschen dazu befähigen, Wissen entsprechend ihren Stärken aufzubauen, aber auch den Bedürfnissen des Marktes gerecht zu werden. Hinzu kam die Frage, wie wir unsere Region für die Zukunft ausrichten können, dass wir keine sinkenden Einwohnerzahlen haben, sondern dass wir im Bewusstsein von Menschen aus Bayern und vielleicht auch darüber hinaus an Relevanz gewinnen können, sodass Wachstum und Zuzüge möglich sind.

Was macht eine Region attraktiv?
Die Frage wurde noch ein wenig größer gedacht. Was zeichnet eine attraktive Region aus, wie wird man eine und welche Grundlagen liegen zugrunde, dass Menschen sich für eine Region entscheiden?

Aus diesen Fragen und der Recherche entstand die Idee von einer Wissens-Kompetenz-Region, denn in erster Linie zählt der Arbeitsplatz und dann das Bildungsangebot, wenn es darum geht, das sich junge Menschen für eine “Heimat” entscheiden. Erst dann folgt der Wohnungsmarkt und das Kulturangebot.
Werden wir doch zu einer der TOP 3 Regionen in Bayern basierend auf dem ausgezeichneten Fundament von Wissensvielfalt, -Kultur und -Möglichkeiten, gekoppelt an eine ansprechende und attraktive Unternehmenswelt, die Wohlstand und Miteinander, Verantwortung für die Gesellschaft und Optionen für jedermann bereithält. 
Dazu müssen wir die jungen Generationen auf die digitale Welt einstellen, ihnen die richtigen Kompetenzen mitgeben und sie zu denkenden und mündigen Menschen entwickeln. Dies nicht nur in einzelnen Branchen sondern übergreifend, jedoch mit dem Fokus, den Rückstand in Digitalkompetenz möglichst zeitnah aufzuholen und auszubauen.

Faktor 1 – die digitalen Bildungsstätten – genannt Schulen
Dazu zählt dann die digitale Bildungsstätte genannt Schule. Die Schule ist als eigenes WLAN-Netzwerk zu sehen, das noch Untereinheiten der digitalen Klassen hat. Lehrer und Schüler arbeiten mit IT-Geräten wie PC, Tablett oder Smartphone. Alle Lehrmaterialien befinden sich in einer Wiki, die je nach Jahrgang von den Lehrern freigeschaltet wird. Mit Eintritt in das physische Klassenzimmer, schaltet sich das normale WLAN ab und ein definiertes Netz wird freigeschaltet. Wenn Fragen während des Unterrichts an die Schüler gerichtet werden, können diese durch Freischaltung ihre Ergebnisse auf ihrem Tablett oder ähnliches eingegeben werden und man würde das Ergebnis vorne am Smartboard oder der Leinwand über Beamer sehen können. Alle Folien und Skizzen würden unter dem Datum und der Stunde abgelegt werden und sollte ein Schüler mit Grippe Zuhause liegen, kann er sich jederzeit ansehen, was die Inhalte waren.

Faktor 2 – die Coding School
Als ein weiterer Weg wäre die Initialisierung einer Coding School im Landkreis. Bringen wir doch den jungen Menschen Kompetenzen in der Programmiersprache, den Grundsätzen von KI und Robotik sowie der Automatisierung bei. Lehren wir sie von Beginn an, welche ethischen und moralischen Perspektiven damit diskutiert werden müssen und was die Folge ist – das sind die Inhalte und Aufgabe einer Coding School.

Faktor 3 – Entfaltung der Jugendpotenziale – mit Freigeist-Erfinder-Laps
Schaffen wir neue Veranstaltungs-Formate, die den Erfindergeist und Neugierwillen der Jugend mit den der Unternehmen in Verbindung bringen. Veranstalten wir 4-mal im Jahr eine Wissens-Erfinder-Plattform, in der sich die Jugendliche die Lösungen der Unternehmen ausdenken und dies vor dem Plenum vorstellen. Gehen wir in wertneutrale, offene Diskussionen, um den Wert von Argumenten und Gedankenaustausch aufzuzeigen. Lernen wir wieder der Sache wegen wieder zu streiten – ohne persönlich zu werden.

Doch all dies setzt voraus, dass wir Wissen und Bildung neu denken. Das wir verstehen, das auch dieser Bereich komplett im Wandel ist und wir dem Internet und Google nicht die Wissenshoheit überlassen dürfen.

Es setzt voraus, dass wir unter Digitalisierung der Schule nicht nur einen Vorzeige-Digitalraum verstehen, der für einzelne Schulstunden genutzt wird und dass ein Klassenzimmer nicht nur mit einem Smartboard und mit dem Lehrer-PC ausgestattet sein soll…

Es wäre ein Anfang …
Was wäre gewesen, wenn wir dieses Verständnis vor der Coronakrise gehabt und all dies vorher schon umgesetzt hätten. Was wäre gewesen, wenn die Gedanken, die am 07. Dezember 2018 im Landratsamt vorgestellt wurden, ernst genommen und als Projekt umgesetzt worden wären …
Was wäre gewesen, wenn …